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03.06.2026 G-BA Innovationsausschuss

Neues individualisiertes Bewegungs- und Ernährungsprogramm für Krebspatienten empfohlen

Multizentrische randomisierte Studie zeigt reduzierten Unterstützungsbedarf nach onkologischer Erstlinientherapie

Prof. Dr. Freerk Baumann, Foto: Michael Wodak

Das Versorgungsprogramm „INTEGRATION“, das Krebspatientinnen und -patienten bereits frühzeitig während ihrer Behandlung durch eine individualisierte Ernährungs- und Bewegungstherapie unterstützt, wurde an der Uniklinik Köln von Prof. Dr. Freerk Baumann und Prof. Dr. Sebastian Theurich (heute Ludwig-Maximilians-Universität München) entwickelt. Ziel des Programms ist die Integration sport- und ernährungstherapeutischer Maßnahmen in die ambulante onkologische Erstlinientherapie, um Betroffene von Beginn an umfassend zu begleiten. Dank einer Förderung von mehr als fünf Millionen Euro durch den Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) konnte die Wirksamkeit des Programms im Rahmen einer großen multizentrischen, randomisierten Studie gemeinsam mit zwölf Partnerzentren untersucht werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass Patientinnen und Patienten mit einer neu diagnostizierten Krebserkrankung deutlich von einer frühzeitigen und individualisierten Betreuung durch spezialisierte onkologische Sport- und Ernährungstherapeutinnen und -therapeuten profitieren. Die Evaluation des Projekts durch den G-BA fiel positiv aus: Neben nachweislich positiven Effekten auf therapiebedingte Belastungen und Nebenwirkungen konnten auch gesundheitsökonomisch relevante Erkenntnisse gewonnen werden, die in die Bewertung des Innovationsausschusses eingeflossen sind. In der Folge hat der G-BA den Verbänden der Kranken- und Pflegekassen empfohlen, die Umsetzbarkeit des Versorgungskonzepts im Rahmen von Vertragsvereinbarungen für die Regelversorgung zu prüfen. Damit könnte „INTEGRATION“ künftig einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der onkologischen Versorgung in Deutschland leisten.

Im  INTEGRATION-Studienarm erhielten die Teilnehmenden nach einer Eingangsuntersuchung ein individuell abgestimmtes und supervidiertes Bewegungs- und Ernährungstherapieprogramm mit dem Ziel, Ressourcen zu stärken und Nebenwirkungen der Krebstherapie entgegenzuwirken. Im Kontrollarm erhielten Patienten Standardempfehlungen und Verordnungen zur Physiotherapie und Ernährungsberatung. In beiden Studienarmen wurden die Patienten parallel zu einer ambulanten onkologischen Therapie über vier bis sechs Monate betreut. Insgesamt wurden 454 Patientinnen und Patienten in Interventions- und Kontrollgruppen randomisiert. Die detaillierten Ergebnisse aus dieser weltweit größten Studie, die die Kombination aus Bewegung und Ernährung geprüft hat, sollen zeitnah in einer Fachpublikation erscheinen. 

„Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass gezielte Bewegung und Ernährung bereits während der Erstlinientherapie einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Patientinnen und Patienten leisten können. Wir hoffen sehr, dass dies auch die Verbände überzeugt und wir bald den Schritt in den Versorgungsalltag gehen können“, sagt Prof. Dr. Freerk Baumann, Leiter „INTEGRATION“ und Leiter der Onkologischen Bewegungsmedizin in der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln. Auch der Onkologe und Studienleiter Prof. Dr. Sebastian Theurich von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Klinikum der Universität München betont die Bedeutung dieser neuen Versorgungsform: „Mit dem Projekt konnten wir zeigen, dass multiprofessionelle Unterstützungsangebote nicht nur praktikabel umsetzbar sind, sondern auch einen messbaren Nutzen für die Patientinnen und Patienten haben. Die Ergebnisse liefern eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung der onkologischen Versorgung.“

Studienleitung und Evaluation:

Uniklinik Köln (Konsortialführung, Studienleitung Bewegungstherapie)
LMU Klinikum München (Studienleitung Ernährungstherapie)
Universitätsklinikum Regensburg (Datenmanagment und Evaluation)

Studienzentren und beteiligte Krankenkassen

Universitätsklinikum Bonn, Klinikum Bremen-Mitte, Uniklinik Freiburg,  Universitätsklinikum Halle, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Nationales Centrum für Tumorforschung Heidelberg, Universitätsklinikum Leipzig, TUM Universitätsklinikum München, Krankenhaus Nordwest Frankfurt a.M., Universitätsklinikum Schleswig-Holstein - Lübeck/Kiel

AOK, DAK und Techniker Krankenkasse

INTEGRATION-Programm – Kombinierte Ernährungs- und körperliche Aktivitätsintervention während einer onkologischen Therapie - G-BA Innovationsfonds